Schlagzeile: Estnische IT-Unternehmer kaufen Unternehmen von schwedischer Gruppe frei.

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  • Esten wollen keine Robotertätigkeiten mehr ausführen
  • Es gibt ein zentrales Problem mit e-Estonia , das gelöst werden muss

In einem großen Schritt haben die estnischen IT-Entrepreneure Andres Aavik und Juhan-Madis Pukk die estnische Tochtergesellschaft des schwedischen, öffentlich gehandelten Unternehmens Knowit übernommen – das neu erworbene Unternehmen zielt darauf ab, Menschen von „geistlosen“ Tätigkeiten und unnötigen Arbeiten zu befreien.

Ab morgen wird das estnische Softwarequalitäts- und Arbeitsprozessautomatisierungsunternehmen unter dem Namen Flowit bekannt sein. Der Käufer des Unternehmens ist dessen gegenwärtiges Führungsteam. Die Transaktion wurde im Januar ausgeführt und mit der Zustimmung beider Parteien über den Preis Stillschweigen vereinbart.

Das Unternehmen hat sich dadurch von der einflussreichen schwedischen Unternehmensgruppe gelöst, die über 2.000 Mitarbeiter hat, in Deutschland, Dänemark, Norwegen und Finnland operiert und aus nahezu 65 Unternehmen besteht. Das schwedische Mutterunternehmen hat eine lange Geschichte und wurde 1990 gegründet, während Knowit Estonia seit 2007 besteht.

Laut Andres Aavik ist die estnische Einheit bereits seit den letzten Jahren als eine Art separate „Black Box“ betrieben worden, mit Dienstleistungen ausschließlich für den estnischen Markt.

„Die wichtigsten Teile unserer Aktivitäten waren seit je her die Softwarequalität und alles, was damit zu tun hat: Testen, Code-Auditierung, Projektplanung und -abnahme sowie eine breite Auswahl an IT-Beratungsdienstleistungen. Wir prüfen, ob eine erstellte Software tatsächlich den Geschäftsanforderungen entspricht – dass sie macht, was sie soll und nicht macht, was sie nicht tun soll,“ erkläre Aavik gegenüber Postimees.

Das Unternehmen hat ausgiebig mit verschiedenen staatlichen Behörden zusammengearbeitet, aber auch mit großen Unternehmen, wie NadaqOMX Tallinn, Elering, Telia Eesti, Tele2 und Luminor. Es sieht seine Zukunft jedoch hauptsächlich in der Prozessautomatisierung.

Esten wollen keine Robotertätigkeiten mehr ausführen

„Wir betrachten jegliche, strikt regelbasierte Arbeit mit Computern – wie Datenverarbeitung und -analyse – als „geistlose Arbeit“ und unser Ziel ist es, die Menschen davon zu befreien,“ sagt Aavik. „Wir wollen den Menschen ermöglichen, sich auf kreativere und wertschöpfende Tätigkeiten zu fokussieren.“

Als ein Beispiel führte Aavik estnische Industrieunternehmen an, bei denen die Verknüpfung von Hintergrunddaten sowie Büroarbeit oftmals hochgradig ineffizient ist, trotz massiver Investitionen in Smart-Geräte. Beispielsweise werden in vielen Unternehmen riesige Mengen an Bestellungen immer noch von Menschen verarbeitet, während dies leicht durch Softwareautomatismen mit Texterkennungssystemen erledigt werden könnte, die in der Lage sind, mit den erforderlichen Informationssystemen autonom zu kommunizieren.

„Das Problem ist in der Tat jedoch größer als nur das: Mitarbeiter für manuelle Dateneingabe sind immer schwerer zu finden. Die Leute suchen nach anderen Arten von Stellen, sie wollen kreative Arbeit leisten. Wir brauchen nicht mehr tagein tagaus Dinge in Excel eingeben – wir schaffen den Bedarf für eine sogenannte „menschliche Schnittstelle“ ab, indem wir diese durch eine dünne Softwareschicht ersetzen“, fügt Aavik hinzu.

Das eine Gebiet, bei dem die IT-Spezialisten überzeugt sind, dass Automatismen niemals den Menschen ersetzen werden können, ist das Kreieren von Ideen und deren Ausarbeitung sowie in der persönlichen Herangehensweise.

Es gibt ein zentrales Problem mit e-Estonia

Was denkt Aavik über den aktuellen Stand der staatlichen IT-Systeme Estlands? „Hier gibt es ein grundlegendes Problem: wir waren schnell darin, unsere Prozesse vom Papier- ins Digitalformat zu übertragen, haben dabei aber etwas vergessen: die alten Prozesse selbst wurden niemals aktualisiert“, merkt Aavik an.

Was dies bedeutet ist, dass die Digitalisierung auf alte, umständliche Prozesse angewendet wurde, ohne diese überhaupt zu bewerten. Im Ergebnis wurden viele Bäume davor bewahrt, zu Papier zu werden, aber die Prozesse sind noch immer umständlich. „Man hört und liest täglich mehr darüber – wenn die einzige Aufgabe einer Person ist, auf „Weiter“ zu klicken, muss dies dann wirklich von einem Menschen erledigt werden?“, fragt Aavik.

Laut Aavik möchte sein Unternehmen dem Staat dabei helfen, sorgfältig abzuwägen, ob die vielen Prozesse tatsächlich gebraucht werden und gerechtfertigt sind, und diese abzuschaffen, falls dies nicht der Fall sein sollte.

Flowit hat gegenwärtig 16 Mitarbeiter.